Sucht
 Was ist Sucht  

Sucht und Abhängigkeit
Ursachen von Sucht / Abhängigkeit
Welche Suchtstoffe und süchtige Verhaltensweisen gibt es?
Suchtprävention-Was ist das?
Suchtmittelkonsum bei den Jugendlichen
Unsere Angebote zur Suchtprävention
Rat und Hilfe / Beratungsstellen

 

Sucht und Abhängigkeit

Es gibt keine einheitliche Definition von „Sucht“. Die Begriffe Sucht und Abhängigkeit werden oft gleichbedeutend verwandt.

Man unterscheidet heute drei Ebenen der Sucht:

  • Körperliche Abhängigkeit
  • Psychische Abhängigkeit
  • Zunehmende Beeinträchtigung der alltäglichen und sozialen Lebensführung. (Gross,1995,S.22)

Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Abhängigkeit dann gegeben, wenn eine Person auf bestimmte Stoffe oder Verhaltensweisen angewiesen ist, was an folgenden Merkmalen zu erkennen ist:

  • Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, das Mittel zu konsumieren
  • Verminderte Kontrollfähigkeit hinsichtlich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums
  • Mittelgebrauch, um mögliche Entzugserscheinungen zu vermeiden oder akute zu mildern
  • Körperliche Entzugserscheinungen nach Absetzen des Mittelgebrauchs
  • Entwicklung einer Toleranz: Die Dosis muss immer mehr gesteigert werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen
  • Ein eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit dem Mittel, d. h. außerhalb des gesellschaftlich üblichen Konsumverhaltens ein Mittel zu gebrauchen(z. B. Alkohol am frühen Morgen)
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen oder Vergnügungen zugunsten des Mittels
  • Anhaltender Konsum trotz des Nachweises schädlicher körperlicher, psychischer oder sozialer Folgen
   


 

 

Ursachen von Sucht / Abhängigkeit

Die Ursachen eines suchtproblematischen Verhaltens von Kindern und Jugendlichen resultieren aus einer Wechselwirkung von Person und Umwelt / Umfeld. Es tritt insbesondere dann auf, wenn keine anderen Verhaltensweisen zur Bearbeitung von Problemsituationen wie z. B. schulische und familiäre Konflikte, als persönliche Ressourcen zur Verfügung stehen.

Es gibt verschiedene Modelle, die versuchen das Entstehen von Suchtverhalten zu erklären. Diese verschiedenen Erklärungsmodelle haben gemeinsam, dass Sucht als Prozess gesehen wird, der im Spannungsfeld zwischen Person - Umwelt - Mittel stattfindet. Dies lässt sich durch ein „Ursachen-Dreieck“ verdeutlichen: Suchtgefahr besteht dann, wenn vielen Risikofaktoren z. B. geringes Selbstwertgefühl (jeweils in den drei Ecken) wenige Schutzfaktoren d.h. die positive Seiten gegenüberstehen.


Suchtdreieck



Das Tankmodell
Das Tankmodell geht davon aus, dass jeder Mensch eine Art "Seelentank " in sich, der mit guten Gefühlen wie Liebe, Freundschaft, Geborgenheit, Freiheit usw. gefüllt ist.

Was sollte ein Tank enthalten, damit es einem Menschen gut geht?
Woher bezieht der Mensch den Tankinhalt? Welche Tankstellen hat er dafür? Dies sind Fragen, die im Rahmen dieses Modells zu beantworten sind.

Schüler finden mindestens 20 persönliche Tankstellen (Sport treiben, Film anschauen, Freunde treffen, Musik hören, Computer spielen usw.). Es wird ersichtlich, wie wichtig menschliche Beziehungen als Tankstelle sein können!
Es wird auch klar, dass der Tank nicht immer gleich voll gefüllt ist, dass er Schwankungen unterliegt, die ganz normal sind. Das Umgehen mit diesen Schwankungen muss geübt werden.

Ursachen für Suchtentstehung - "Zuwenig gute Gefühle"
Jemand hat zu wenig Tankstellen und daher fast immer einen leeren Tank.
Es fallen mehrere Tankstellen gleichzeitig aus, z.B. eine Freundschaft zerbricht. Darunter leidet die Schule (aus einer Tankstelle wird eine Belastung) und die Leistungen sinken. Das wiederum stört die Eltern. Diese bestehen auf mehr Lernen und schränken den Ausgang mit Freunden ein. Wenn sich eine negative Entwicklung auf diese Weise aufschaukelt, steigt die Gefahr der Ersatzbefriedigung durch Genus- und Rauschmittel.

Ursachen für Suchtentstehung - "Zuviel der guten Gefühle"
Wenn jemand ständig nur mehr eine besonders leicht zugängliche Tankstelle
anzapft, weil die anderen nicht oder nicht mehr aktivierbar sind (Streit mit der besten Freundin, Probleme in der Schule, Liebeskummer, Trennung der Eltern) muss er sich immer "mehr vom Selben" zuführen, um seinen Stimmungspegel zu halten. Durch das ständige Tanken an nur einer Tankstelle, kann Sucht entstehen. Beispiele, wie eine positive Tankstelle ins Negative umschlagen kann, wenn Alternativen fehlen: Freundschaft - Eifersucht, Essen - Magersucht

Das Tankmodell erklärt auch, wie man sich vor Sucht schützen kann: Man muss über unterschiedliche Tankstellen verfügen und dafür sorgen, dass diese auch „offen“ sind. Das heißt z. B. den Anforderungen des Lebens nicht auszuweichen, sondern z. B. den Streit mit der Freundin zu klären, sich bei Schulproblemen Hilfe zu holen etc.

 

   

 



 

Welche Suchtstoffe und süchtigen Verhaltensweisen gibt es? 

Die Trennung in legale und illegale (gemäß Betäubungsmittelgesetz (BtmG) verboten). Suchtmittel lässt sich nicht mittelspezifisch, sondern nur politisch und wirtschaftlich bzw. kulturell und historisch erklären. Dass etwas erlaubt ist, heißt nicht, dass es nicht zur Sucht führt. Ebenso kann man auch nach Verhaltensweisen süchtig werden. Grundsätzlich gilt, dass jedes Mittel bzw. jede Verhaltensweise sich zur einer Sucht entwickeln kann.

Das Suchtspektrum zeigt beispielhaft Mittel und Verhaltensweisen auf, die zu Sucht führen können und wie diese zu zuordnen sind

 

Suchtspektrum
Legal
Illegal
Stoffgebundene Süchte Verhaltenssüchte Stoffgebundene Süchte
Alkohol Fernsehen Opiate (Heroin, Opium, Morphium)
Nikotin Internetsurfen Kokain / Crack
Medikamente (z. B: Schmerzmittel) Computerspiele Cannabis (Haschisch, Marihuana)
Koffein (Kaffee, Tee, Cola, Energydrink) Glücksspiele Designerdrogen (z. B. Ecstasy)
Schnüffelstoffe (Kleber) Kaufen Amphetamine (Aufputschmittel)
  Telefonieren Halluzinogene (z. B. LSD)
  Arbeiten z.T. Medikamente (nach BtmG)
  Essen Psychoaktive Pilze
  Sexualität Biodrogen





Informationen zu einzelnen Suchtstoffen finden sich unter
www.dhs.de; www.ausweg.de

   

 

 

 

Suchtprävention-Was ist das? 

Suchtvorbeugung ist keine

  • Drogenaufklärung mit erhobenem Zeigefinger
  • „Drogenberatung“
  • arbeitet nicht auf der Basis von Abschreckung

Suchtprävention ist VOR-Beugung

VOR-Beugung heißt VOR-zeitiges Handeln, und dafür bedarf es Maßnahmen, die von unterschiedlichen Institutionen wie Elternhaus, Kindertagesstätte, Schule und Freizeiteinrichtungen, aber auch der staatlichen Gesundheitspolitik geleistet werden müssen. Suchtprävention hat einerseits zum Ziel individuelle Schutzfaktoren zu fördern, die gesundheitsschädigenden Verhaltensweisen, wie dem Suchtmittelmissbrauch, entgegenwirken, aber auch suchtmittelspezifische Inhalte zu vermitteln.

Suchtpräventionsveranstaltungen setzt an den Kompetenzen an, auf die im Fall einer problematischen Lebenssituation zur deren Bewältigung zurückgegriffen werden kann. Kindern und Jugendlichen werden daher Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt, besser mit Problemen, Sorgen und Schwierigkeiten des Alltags und in der zwischenmenschlichen Kommunikation umzugehen. Sie soll Schulen und Elternhaus motivieren, ein gesundheitsförderndes Klima zu schaffen, das Problementwicklungen ausgleichen kann.

Suchtprävention ist nur erfolgreich wenn folgende Kriterien erfüllt:

  • Frühzeitige, kontinuierliche und langfristige Durchführung
  • altersgemäße, geschlechtsspezifische und schulartgerechte Konzeption
    wenn in der Schule Suchtprävention fest verankert wird
  • Schule und Elternhaus zusammenarbeiten

Primärprävention, d. h. die Prävention bevor riskantes Suchtverhalten eingetreten, hat die Aufgabe im Vorwege durch das Einüben sozialer und personaler Kompetenzen Alternativen zum Suchtmittelgebrauch zu vermitteln.

Sekundärprävention ist dann notwendig, wenn bereits ein riskantes Konsummuster vorliegt. Ihr Ziel ist die Schadensminimierung, den Ausgleich von Sozialisationsdefiziten und das Unterbreiten von Hilfsangeboten.


Inhalte allgemein:

Suchtprävention vermittelt suchtmittelspezifische Informationen

  • sachliche Information über Wirkungen von Suchtmitteln
  • Alternative Verhaltensweisen zum Suchtmittelkonsum (z.B. Entspannungstechniken)
  • Strategien gegen Gruppendruck in Situationen, in denen Suchtmittel eine Rolle spielen
  • Ursachen und Entwicklung von süchtigem Verhalten
    über kurz- und langfristige soziale, psychische und physiologische Auswirkungen von Suchtmittelgebrauch zu informieren
  • den abstinenten bzw. altersgemäßen Umgang und kontrollierten Konsum von legalen Suchtmitteln wie z. B. Alkohol und Alternativen.


Suchtprävention stärkt die Lebenskompetenzen und fördert wichtige Schutzfaktoren:

  • Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl (z. B. durch Wahrnehmung und Akzeptanz eigener Stärken und Schwächen)
  • Beziehungs- und Konfliktlösefähigkeit (z. B. durch Erkennen individueller Bewältigungsmuster und Erweiterung des Handlungsspektrums)
  • Widerstandsfähigkeit und Selbstbehauptung (z. B. durch Ausprobieren in Diskussions- und Kommunikationsübungen sowie Durchsetzung in Gruppen)
  • Genuss- und Erlebnisfähigkeit (durch Bewusstmachung von Neigungen und Interessen und Entwicklung von Alternativen zu unbefriedigendem Verhaltensweisen
  • Sinnsuche und Sinnerfüllung ( z. B. durch Entwicklung eigener Lebensvorstellungen)
   


 

 

Suchtmittelkonsum bei den Jugendlichen 

Warum probieren Jugendliche Suchtmittel aus?

  • Neugier
  • Langeweile
  • Dazugehören wollen
  • Experimentieren / Grenzen ausloten
  • Vorbilder
  • Spaß haben wollen
  • „Einfach so“
  • Lebensstil
  • Problemen und Anforderungen auszuweichen
  • Eingeschränktes Selbstwertgefühl:
    z. B.: Geringe Anerkennung von Eltern und Gleichaltrigen, schulische Leistungskrise, Kontaktprobleme, Zukunftsängste


Kinder und Jugendliche haben sich zahlreichen Entwicklungsaufgaben zu stellen:

  • Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung,
  • Kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Kompetenzen und Grenzen
  • Entwicklung einer Identität
  • Selbstbewusste Gestaltung der eigenen Sozialisation
  • Entwurf einer eigene Berufs- und Lebensperspektive
  • Übernahme der Geschlechtsrolle, d. h. Sexualität, Intimität sowie die Fähigkeit zu entwickeln, Partnerschaften einzugehen und zu pflegen,
  • Position in der Gruppe der Gleichaltrigen zu erringen und zu behaupten,
  • Prozess der emotionalen Ablösung vom Elternhaus zu bewältigen,
  • Eigenes Wert- und Normsystem zu entwickeln und zu vertreten,
  • Lebensrisiken stellen und sich mit Konsumangeboten (z. B. Medien, Genussmitteln, Drogen usw.) kritisch auseinander zu setzen.

Legale Stoffe wie Zigaretten und alkoholische Getränke werden oft schon vor Eintritt in die Jugendphase konsumiert. Sie besitzen in dieser Umbruchphase des Lebensalters eine hohe Attraktivität, weil sie geeignet sind, den schwierigen Umordnungsprozess mit seinen körperlichen, psychischen und sozialen Unsicherheiten und Aufbruchperspektiven zu begleiten. Elternhaus und Schule sollten Kinder und Jugendliche darin unterstützen, sich mit den Herausforderungen der einzelnen Entwicklungsaufgaben produktiv auseinander zu setzen. Sie sollten sie fähigen ihre persönlichen Ressourcen zu entwickeln, um die eigene Lebensgestaltung erfolgreich zu bewältigen und ein sinnvolles, erlebnisreiches und verantwortungsvolles Leben zu führen.